📡 Worum es geht
Netzspannung Live ist eine bürgerwissenschaftliche Messkampagne: Haushalte in ganz Deutschland melden anonym – nur über ihre PLZ – die Spannung in ihrem Niederspannungsnetz. Daraus entsteht ein offenes, deutschlandweites Live-Bild der Netzspannung.
Anlass ist die wachsende Photovoltaik im Verteilnetz und die Beobachtung, dass die Spannung in vielen Straßenzügen mittags spürbar ansteigt. Wie verbreitet das ist und wie nah es an die zulässigen Grenzen kommt, lässt sich am besten gemeinsam messen.
⚖️ Hintergrund: EN 50160 und die Spannungsgrenzen
Die Norm EN 50160 legt fest, in welchem Band sich die Netzspannung bewegen darf.
Im deutschen Niederspannungsnetz beträgt die Nennspannung 230 V. Nach EN 50160 muss die Spannung (als 10-Minuten-Mittel) innerhalb von ±10 % bleiben, also zwischen 207 V und 253 V. Die 253 V-Obergrenze ist dabei das entscheidende Limit für die PV-Diskussion: Sie markiert, wie weit die Spannung nach oben gehen darf, bevor es kritisch wird.
☀️ Warum PV mittags die Spannung hebt
Physik des Verteilnetzes in einem Satz.
Wenn an einem sonnigen Mittag viele PV-Anlagen einer Straße mehr Strom erzeugen, als vor Ort verbraucht wird, fließt der Überschuss als Netto-Einspeisung zurück ins Netz. Über den Leitungswiderständen entsteht dadurch ein Spannungsanstieg – am Ende langer, schwacher Stränge besonders stark. Genau dann klettert die gemessene Spannung in Richtung der 253 V-Grenze.
💶 Zusammenhang mit dem Börsenpreis
Hohe Spannung und billiger Strom treffen sich mittags.
Viel PV im Netz heißt zugleich viel Solarstrom an der Strombörse – und damit oft niedrige oder sogar negative Spotpreise in den Mittagsstunden. Die Messkampagne stellt deshalb die gemessene Spannung dem Day-Ahead-Börsenpreis gegenüber: Steigt die Spannung dann, wenn der Strom am günstigsten ist? Diese Korrelation macht den PV-Effekt im Verteilnetz sichtbar.
📄 Bezug zum e3dc-Whitepaper
Der konkrete Anlass für die Kampagne.
Auslöser dieser Messkampagne ist das e3dc-Whitepaper „Lokale PV im Niederspannungsnetz", das die PV-bedingte Spannungsanhebung im Verteilnetz beschreibt. Das Whitepaper liefert die theoretische und messtechnische Grundlage; diese Kampagne ergänzt sie um reale, verteilte Messpunkte aus der Bevölkerung – breit gestreut über viele Regionen und Netztopologien, wie sie eine einzelne Studie kaum abdecken kann.
🎯 Ziel der Messkampagne
Ein offenes, hoch aufgelöstes Bild der Netzspannung in Deutschland.
Ziel ist eine deutschlandweite LiveMap in 5-Minuten-Auflösung, die zeigt, wo und wann die Niederspannung wie stark schwankt und wie häufig die 253 V-Grenze berührt wird. Die Auswertungen sind offen und k-anonym (siehe Datenschutz).
Dabei gilt: Je mehr Haushalte mitmessen und je länger die Kampagne läuft, desto aussagekräftiger werden die Ergebnisse – über Tage, Jahreszeiten und Regionen hinweg.
+ Wie du mitmachst
Schon ein einzelner Haushalt mehr verbessert das Bild.
Du kannst deine Spannung manuell melden, die offene API nutzen oder deine Hausautomatisierung (z. B. Home Assistant) automatisch im 5-Minuten-Takt melden lassen – immer anonym, immer nur über die PLZ. Alles Nötige steht auf der Mitmach-Seite.